Im Inserat steht "ab 3.400 Euro brutto". Im Anschreiben soll eine eigene Zahl stehen. Und irgendwo dazwischen sitzt die Frage, die Berufseinsteiger:innen in der IT am meisten Nerven kostet: Was verlange ich, ohne mich zu verkaufen oder aus dem Rennen zu nennen? Es gibt dafür keinen Trick, aber eine Methode.
Die Zahl im Inserat ist ein Boden, kein Angebot
Seit 1. März 2011 müssen österreichische Stelleninserate Angaben zum Mindestentgelt enthalten. Die WKO beschreibt, wie: betragsmäßig, mit Zeiteinheit Stunde, Woche oder Monat, ohne anteilige Sonderzahlungen. Und – das ist der entscheidende Halbsatz – Arbeitgeber:innen können im Inserat auf ihre Bereitschaft zur kollektivvertraglichen Überzahlung hinweisen.
Genau deshalb ist "ab 3.400 Euro, Überzahlung möglich" keine Auskunft über das, was Sie bekommen. Es ist die Untergrenze, unter die das Unternehmen rechtlich ohnehin nicht darf. Wer diese Zahl als Gehaltsvorstellung zurückspiegelt, verhandelt gegen sich selbst.
Ihr Fachgebiet entscheidet mehr als Ihre Stadt
Unsere eigene Auswertung der aktuell auf informatikjobs.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 31.08.2026) zeigt über alle Einstiegs- und Mindestgehälter hinweg einen Median von 3.914 Euro brutto im Monat, die mittlere Bandbreite liegt zwischen 3.285 und 4.500 Euro. Grundlage sind 410 Stellen mit auswertbarer Gehaltsangabe aus 2.373 Inseraten. Eine Stelle kann mehreren Fachgebieten zugeordnet sein – die Fachgebietszahlen unten überschneiden sich deshalb und addieren sich nicht zu dieser Gesamtbasis. Achtung: Das ist das ausgeschriebene Mindestentgelt, nicht das tatsächlich gezahlte Einstiegsgehalt.
Interessant wird es beim Blick in die Fachgebiete. Dort liegen Welten dazwischen:
- AI & Machine Learning: Median 3.914 Euro? Nein – 4.088 Euro (42 Stellen)
- IT Projektmanagement 4.063 Euro (41), IT Consulting 4.030 Euro (86), IT Security 4.002 Euro (35)
- Softwareentwicklung 3.957 Euro (112), Datenbanken & Data Warehouse 3.954 Euro (36)
- Business Intelligence 3.500 Euro (40)
- System- & Netzwerkadministration 3.300 Euro (41), Support & Helpdesk 3.200 Euro (41)
Zwischen Helpdesk und AI liegen rund 888 Euro monatlich. Beim Standort ist der Unterschied kleiner, als viele annehmen: Wien, Linz und Graz liegen im Median jeweils bei 3.954 Euro. Wer aus dem Support kommt und sich auf eine Entwicklerrolle bewirbt, sollte seine Zahl also am Zielberuf ausrichten, nicht am bisherigen Umfeld.
So kommt die Zahl ins Anschreiben
Das AMS ist hier klar: Gehaltsvorstellungen gehören in den Schlussteil des Bewerbungsschreibens – und nur, sofern sie in der Stellenanzeige verlangt werden. Steht nichts davon im Inserat, schreiben Sie nichts. Für den Rest gilt die gleiche Seite: eine DIN-A4-Seite, Hauptteil in drei bis vier Absätzen.
Wird die Vorstellung verlangt, hilft ein einziger sauberer Satz. Zwei Varianten, die funktionieren:
- Punktwert: "Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 3.900 Euro brutto monatlich auf Vollzeitbasis."
- Spanne mit Begründung: "Auf Basis meiner Praktika in der Java-Entwicklung und meiner Bachelorarbeit zu CI/CD-Pipelines liegt meine Vorstellung zwischen 3.700 und 4.000 Euro brutto monatlich, abhängig vom finalen Aufgabenzuschnitt."
Keine Rechtfertigung. Keine Miete, kein Kredit, kein "selbstverständlich verhandelbar". Der Zusatz "Vollzeitbasis" verhindert das Missverständnis, das bei Teilzeitangeboten regelmäßig entsteht.
Drei Fragen, bevor Sie sich festlegen
Eine Monatszahl ist ohne Kontext wenig wert. Klären Sie im Gespräch, am besten in dieser Reihenfolge:
- Wie viele Gehälter pro Jahr? 14 statt 12 verändern das Jahresbrutto erheblich – fragen Sie, ob und in welcher Höhe Sonderzahlungen vorgesehen sind.
- Ist ein Pauschalentgelt (All-in) vorgesehen, und welches Grundgehalt liegt darunter?
- Für welche Einstufung im anwendbaren Kollektivvertrag ist die Stelle vorgesehen?
Diese Fragen wirken nicht fordernd, sondern vorbereitet. Und sie verschieben das Gespräch weg vom Feilschen hin zu dem, was tatsächlich am Konto landet. Welcher Kollektivvertrag im Einzelfall gilt und was er vorsieht, klärt im Zweifel die Arbeiterkammer – das ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
Der häufigste Anfängerfehler
Er lautet: eine runde Zahl aus dem Bauch. 4.500 klingt gut, 3.000 klingt bescheiden, beide sagen nichts. Nennen Sie stattdessen einen Wert, den Sie in einem Satz herleiten können – aus dem Median Ihres Fachgebiets, aus dem Mindestentgelt des Inserats plus dem, was Sie zusätzlich mitbringen. Wer 3.900 sagt und erklären kann, warum nicht 3.400, hat die Verhandlung meist schon gewonnen, bevor sie beginnt.
Und wenn Sie im Gespräch überrumpelt werden: "Darf ich zuerst fragen, welche Bandbreite für diese Position vorgesehen ist?" ist ein vollständiger, zulässiger Satz.
