Raus aus dem alten Job, rein in die IT – aber bitte ohne zweites Studium. Für genau diese Ausgangslage hält Österreich zwei AMS-Förderungen bereit, die eine Umschulung finanzieren, statt sie bloß zu gestatten. Die eine zahlt ab 2026 mindestens 41 Euro pro Tag. Die andere schließt ausgerechnet Akademiker:innen aus – kein Systemfehler, sondern Absicht.
Der Fachkräftemangel in der IT ist keine Behauptung. 833 offene Positionen zählt die eigene Auswertung der auf informatikjobs.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 07.07.2026). Am Willen scheitert der Umstieg aus einem anderen Beruf selten. Er scheitert an den Monaten ohne Gehalt, die eine ordentliche Umschulung nun einmal kostet. Genau hier setzen zwei Instrumente des AMS an.
Das Fachkräftestipendium ist die zentrale Förderung für Erwachsene, die in einen Mangelberuf umsatteln – und IT gehört ausdrücklich dazu. Gefördert wird, was aus dem MINT-Bereich stammt und auf der offiziellen Ausbildungsliste des AMS steht. Erfüllen Sie die Voraussetzungen, fließt über die gesamte Ausbildung Geld, und Sie sind voll versichert. Klingt großzügig. Ist es auch – für die Richtigen.
Die Bedingungen sind eng. Prüfen Sie sie vorab, sonst wird aus dem Plan rasch eine Enttäuschung:
- Berufserfahrung: mindestens 4 Jahre arbeitslosenversicherungspflichtige Beschäftigung innerhalb der letzten 15 Jahre.
- Bildungsniveau: kein Abschluss von Universität, Fachhochschule oder Pädagogischer Hochschule. Wer schon studiert hat, ist raus – ohne Ausnahme.
- Umfang: mindestens 20 Wochenstunden über die gesamte Ausbildungsdauer.
- Dauer: mindestens 3 Monate, höchstens 3 Jahre.
Der zweite Punkt ist der Stolperstein. Das Fachkräftestipendium ist bewusst für Menschen ohne akademischen Abschluss gebaut. Wer BWL studiert hat und in die Softwareentwicklung wechseln will, fällt durch das Raster – für ihn kommen andere AMS-Beihilfen infrage, dieses Stipendium nicht. Lehre, Matura oder abgeschlossene berufsbildende Schule dagegen? Das ist die Zielgruppe, ganz genau.
Welche IT-Ausbildung zählt nun? Auf der Ausbildungsliste stehen technische Kollegs und HTL-Aufbaulehrgänge, und dort verstecken sich handfeste IT-Wege. Ein IT-Kolleg an einer HTL führt in vier Semestern Vollzeit zu einem vollwertigen HTL-Abschluss; nach drei Jahren Praxis und Ingenieur-Zertifizierung ist der einem Bachelor gleichgestellt. Die HTL Villach etwa führt ihr Tageskolleg IT und Informatik ausdrücklich als förderbar über das Fachkräftestipendium. Der schöne Kursname zählt dabei nichts. Entscheidend ist einzig, ob genau diese Ausbildung auf der AMS-Liste steht. Klären Sie das vor der Anmeldung, nicht danach.
Was am Ende aufs Konto kommt
Die Höhe hängt am Ausgleichszulagenrichtsatz und liegt 2026 bei mindestens 41 Euro pro Tag. Wer Anspruch auf höheres Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe hätte, bekommt den höheren Betrag. Seit 1.1.2024 kommt ein Schulungszuschlag dazu. Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung laufen die ganze Zeit mit. Dazuverdienen? Bis zur Geringfügigkeitsgrenze, 2026 also 551,10 Euro im Monat – wer darüber liegt, für den ruht das Stipendium in diesem Zeitraum. Alle sechs Monate ist ein Leistungsnachweis fällig; alternativ genügen 75 Prozent Anwesenheit. Und ein Detail, das bares Geld kostet, wenn man es verschläft: Genehmigt wird der Antrag frühestens drei Monate vor Ausbildungsbeginn.
Für Frauen gibt es einen zweiten Weg. FiT – Frauen in Handwerk und Technik. Das Programm steht allen beim AMS gemeldeten Frauen offen, egal welcher Bildungsstand bisher, und fördert über 200 Ausbildungen von der Lehre bis zur FH. Während der Ausbildung: Arbeitslosengeld, Beihilfen zu Kurs- und Lebenshaltungskosten, Kinderbetreuungsbeihilfe. Der Unterschied zum Fachkräftestipendium liegt an zwei Enden. Bei FiT ist ein Studium kein Ausschlussgrund. Dafür ist das Programm auf Frauen beschränkt.
Und lohnt der ganze Aufwand? Die Zahlen aus dem eigenen Stellenmarkt legen es nahe. Viele Quereinsteiger:innen steigen über Support & Helpdesk ein – dort liegt das mittlere ausgeschriebene Gehalt bei 3.398 Euro, die Bandbreite zwischen 3.000 und 3.928 Euro. Schaffen Sie den Sprung in die Softwareentwicklung, steht ein Median von 3.802 Euro im Raum (3.396 bis 4.200). Über alle IT-Fachgebiete hinweg beträgt das mittlere Einstiegsgehalt 3.802 Euro (eigene Auswertung der auf informatikjobs.at ausgeschriebenen Stellen, Stand 07.07.2026). Gegen 41 Euro Tagsatz gerechnet, hat sich ein umgeschultes Jahr schon im ersten Berufsjahr bezahlt gemacht.
Der erste Schritt ist unspektakulär. Die Ausbildungsliste des AMS öffnen, den Wunschkurs suchen – und wenn er draufsteht, beim regionalen AMS einen Beratungstermin holen, bevor der Kurs beginnt. Alles Weitere ergibt sich daraus.
