Laptop eingerichtet, SSH-Key im Repo, das erste Ticket hängt im Sprint. Und im Hintergrund läuft eine Uhr, die viele Berufseinsteiger:innen erst bemerken, wenn sie fast abgelaufen ist: In Österreich dauert die Probezeit höchstens einen Monat. Kurz für ein Team, das Sie einschätzen will. Noch kürzer für Sie, die Sie herausfinden müssen, ob dieser Job trägt.
Fangen wir beim Kalender an. Die Dauer der Probezeit für Arbeiter:innen und Angestellte kann laut WKO nach ABGB bzw. Angestelltengesetz maximal einen Monat betragen. Kollektivverträge dürfen kürzen – verlängern nicht. Vereinbart werden muss sie außerdem ausdrücklich; eine Vereinbarung kann laut WKO nur dann entfallen, wenn der jeweilige Kollektivvertrag eine Probezeit verbindlich vorsieht. Heißt für Sie: Dienstvertrag oder Dienstzettel aufmachen, und wenn dort nichts steht, in den Kollektivvertrag schauen, der auf Ihr Unternehmen angewendet wird.
Innerhalb dieses Monats kann jede Seite lösen, ohne Einhaltung von Fristen und Terminen und ohne Angabe eines Grundes. Der Knackpunkt ist der Zugang. Die Auflösungserklärung muss dem Vertragspartner spätestens am letzten Tag der Probezeit zugehen, schreibt die Arbeiterkammer – abgeschickt ist nicht zugegangen, und ein Poststempel hat noch nie jemanden gerettet. Wer selbst kündigt, übergibt die Erklärung besser persönlich und lässt sich den Empfang bestätigen; die WKO empfiehlt aus Beweisgründen ohnehin die schriftliche Form. Was im Einzelfall gilt, klärt am besten die Arbeiterkammer. Die Beratung kostet nichts.
Woran ein Entwicklungsteam Sie tatsächlich misst
Jedenfalls nicht an der Menge Code. In den meisten Teams entscheidet etwas anderes: ob Sie ein Ticket wirklich zu Ende bringen. Nicht nur die Funktion also, sondern auch der Test, die nachgezogene Zeile in der README und der Satz im Standup, dass die Migration ein Feld umbenennt.
Zwei Gewohnheiten helfen ab Tag eins. Halten Sie den ersten Pull Request klein – ein Fix über dreißig Zeilen wird am selben Nachmittag gereviewt, ein Refactoring über acht Dateien liegt drei Tage herum, und Sie sitzen daneben und warten. Und geben Sie Ihren Fragen ein Zeitbudget, bevor Sie sie stellen. „Ich habe eine Dreiviertelstunde gesucht, hier sind meine zwei Hypothesen, welche stimmt eher?“ klingt komplett anders als eine Frage nach zehn Minuten – und noch einmal anders als zwei Tage stilles Steckenbleiben. Das AMS rät für die Probezeit ausdrücklich dazu, Fragen zu stellen und Notizen zu machen, Lernbereitschaft zu zeigen und die Unternehmenskultur kennenzulernen. Banal? Im Alltag ist genau das der Unterschied zwischen „kommt gut rein“ und „wir wissen noch nicht so recht“.
Umgekehrt gilt dasselbe. Sie werden nicht nur geprüft, Sie prüfen mit – und weil vier Wochen schnell weg sind, lohnt sich ein bewusster Blick. Wie viele Tage vergehen zwischen Ihrem ersten Commit und dem ersten Merge in main? Läuft das Projekt lokal nach der Anleitung, oder braucht es drei Kolleg:innen und einen halben Nachmittag? Wer reviewt Sie, und wie – fachlich begründet oder mit einem knappen „passt“? Haben Sie eine feste Ansprechperson für die Einarbeitung, oder sind Sie Zufallsgast in fremden Kalendern? Wird automatisiert und nachvollziehbar deployt oder händisch am Freitagabend? Und wurde aus dem Bewerbungsgespräch etwas Konkretes, Weiterbildungstage, eine Konferenz, eine Zertifizierung – oder blieb es beim „machen wir sicher“?
Wenn nach drei Wochen keine dieser Fragen sauber beantwortet ist, ist das selbst eine Antwort. Die Probezeit ist der einzige Moment, in dem Sie daraus ohne Frist und ohne Begründung eine Konsequenz ziehen können.
Bleibt das Gehalt. Nachverhandeln im ersten Monat bringt selten etwas – sinnvoller ist, jetzt zu kontrollieren, ob im Dienstzettel Einstufung und Entgelt so stehen wie besprochen, und für das Ende der Einarbeitung einen Gesprächstermin zu fixieren. Schriftlich. Als Kalendereintrag, nicht als Vorsatz.
Zur Einordnung: Die aktuell auf informatikjobs.at ausgeschriebenen Stellen weisen ein Medianeinstiegsgehalt von 3.900 EUR brutto pro Monat aus, die mittlere Bandbreite liegt bei 3.267 bis 4.500 EUR (eigene Auswertung der aktuell ausgeschriebenen Stellen, Stand 09.08.2026, 559 Inserate mit Gehaltsangabe). Innerhalb der Branche liegen Welten dazwischen: Support und Helpdesk kommen im Median auf 3.000 EUR, IT-Architektur und Infrastruktur auf 4.064 EUR, Wiener Inserate auf 4.000 EUR. Der Haken: Das ist das ausgeschriebene Mindestentgelt, nicht das, was am Ende tatsächlich vereinbart wird – Überzahlung ist in vielen Inseraten ausdrücklich vorgesehen.
Und falls die Entscheidung gegen den Job ausfällt: Das Dienstverhältnis endet mit dem Zugang der Erklärung, und für nicht genommene Urlaubstage gibt es laut Arbeiterkammer eine Urlaubsersatzleistung. Auch nach elf Tagen im Job.
